Korbflechten

Artikelserie
Unser Handwerk ist unser Vermächtnis /
Our craft is our heritage

Artikel von Gerlinde Schuller


28. November 2022 . 8 min.

Das Korbflechten ist eines der am weitesten verbreiteten Handwerke in der Geschichte der menschlichen Zivilisation. Es ist jedoch schwer zu bestimmen, wie alt es genau ist, da die verwendeten, natürlichen Materialien wie Holz und Gras schnell verrotten. Ein Großteil der Geschichte der Korbflechterei ist deswegen nicht wissenschaftlich dokumentiert.
Bekannt ist jedoch, dass Körbe immer schon als funktionale und strapazierfähige Gebrauchsgegenstände geschätzt wurden. Gutes Handwerk ist unverwüstlich.

Korb von Korbflechterei Friedrich Gerst, Mediasch (RO)
Der Korb wurde vor über 40 Jahren in Rumänien gekauft und nach Deutschland mitgenommen. Er wird noch jeden Tag benutzt.
Korb von deutschen Auswanderern, bei ihrer Ankunft auf Ellis Island,
New York (US), ca. 1906


Das Handwerk des Korbflechtens galt vor allem innerhalb der Roma-Gemeinschaft als sehr angesehen. Diese, aus vielen Untergruppen bestehende, Volksgruppe bildet die größte ethnische Minderheit Europas. Das indoarische Romanes ist ihre gemeinsame Sprache und der indische Subkontinent wird mutmaßlich als ihr historisch-geographisches Herkunftsgebiet betrachtet.

Zu denen aus Indien mitgebrachten handwerklichen Fertigkeiten der Roma gehört das Korbflechten. Es zählt zu den ältesten und am meisten gewürdigten Roma-Berufen. Viele Roma führten eine, oftmals durch Diskriminierung erzwungene nicht-sesshafte Lebensweise. Der Beruf als Korbflechter erleichterte Ortswechsel, da die Weiden, ihr bevorzugtes Material, überall in der Natur, kostenfrei vorhanden waren. Die meisten Roma-Familien reisten und lebten in einem Caravan, von dem aus sie auch ihre Korbwaren anboten.

Roma-Mädchen mit Körben
Rumänien, 1917

Das Motiv steht auf einer Postkarte die Konrad
während des Ersten Weltkrieges aus Rumänien
an Babetta in Deutschland schickte.

Ein Korbmacher verkauft unterwegs seine Waren
Europa, ca. 1900
Roma-Kinder vor ihrem Karavan
Europa, 1930er Jahre

In Ost-Europa war die Korbflechterei im griechisch-türkischen Raum, in der Gemeinschaft der Sepečides (Korbflechter), von besonderer Bedeutung. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts konnten ganze Roma-Siedlungen ihren Lebensunterhalt mit Korbflechten verdienen. Ihre handwerkliche Fertigkeit wurde respektiert und bewundert.

Alle sozialen Schichten waren auf die Dienste der Roma angewiesen, da es keine Alternative zu geflochtenen Körben gab. Sie wurden in der Landwirtschaft, für die Lagerung und den Transport von Lebensmitteln verwendet. Wegen ihres geringen Gewichts und ihrer hohen Stabilität waren Körbe ebenfalls gut geeignet, um Holz, Metall oder Steine zu transportieren.

Roma-Frauen mit selbst geflochtenen Körben
Konstantinopel, heute Istanbul, ca. 1890


Zu den traditionellen Korbmodellen der Roma gehören die ‘corfa’ und der ‘coş’. Die ‘corfa’ hat die Form einer Halbkugel und zwei Griffe, wodurch er zu zweit getragen werden kann. Der ,coş’ hat eine Zylinderform und einen geraden Boden, der einen stabilen Stand ermöglicht. Dank des Weidenmaterials sind die Körbe zudem robust und langlebig.

Auch die in Rumänien lebenden Roma waren kunstfertige Korbflechter. Die sogenannten ‘coșari’ (Korbflechter) benötigten handwerkliches Geschick und Wissen über die Ernte und die Verarbeitung der Rohstoffe, etwas das über Generationen hinweg, vor allem innerhalb der Familie weitergegeben wurde.

Ein Junge trägt Körbe mit Hühnern
Bukarest, Rumänien, ca. 1900-1919
Stillleben mit Tulpen und Apfelkorb
Merica Râmniceanu (RO), 1940/1941
Korbflechterei als Fließbandarbeit
Korbfabrik in Gherla (RO), 1987


Körbe flechten – über Generationen hinweg

Anfang des 19. Jahrhunderts sind Körbe auch in Siebenbürgen, im südöstlichen Karpatenraum, ständig benötigte Gebrauchsgegenstände. Sie werden vor allem von fliegenden Handwerkern und Händlern verkauft. Professionelle Korbflechter, die eine Werkstatt mit Geschäft führen gibt es selten.

Andreas Müllner, ein Einwanderer aus Wien, sieht dies als Chance und eröffnet 1867 eine Korbflechterei in Kronstadt, am Rossmarkt (heute Breiter Bach, Haus Nr. 46).

Er steht damit am Anfang einer Kette von Korbflechtern, die bis in die Gegenwart reicht:
–Andreas Müllner (1828-1906)
–Andreas Kravatzky (1866-1931)
–Alexander Franz Kravatzky (1907-1982)
–Gerhard Mix (1920-2017)
–Günter Mix (1956)
–Alice Dicks, geb. Mix (1965)

Andreas Müllner (1828-1906)
Andreas Müllner bringt seine Sachkenntnis der Korbflechterei aus Wien mit. Er gelangt 1848 nach Siebenbürgen (damals Königreich Österreich-Ungarn, heute Rumänien), zusammen mit seinem Freund Johann Krawatzky. Im Namen des österreichischen Kaisers Franz Joseph kämpfen sie gegen die hier ansässigen Ungarn, die ihre Selbstständigkeit erzwingen wollen. Andreas und Johann bleiben auch nach der Entlassung aus dem Militär in Siebenbürgen und heiraten Frauen aus Honigberg (Hărman). Zu Hause wird manch österreichische Sitte gepflegt und Deutsch gesprochen.

Jahre später schickt Johann Krawatzky seinen Sohn Andreas in die Lehre bei seinem Freund Müllner. Andreas erlernt in Kronstadt das Flechthandwerk und heiratet bald die Tochter des Hauses, so dass die beiden Familien künftig in enger Verwandtschaft miteinander verbunden sind.

Andreas Kravatzky (1866-1931)
Nach Lehrjahren in Kronstadt und Wien zieht es Andreas Krawatzky 1889 nach Bukarest, in die Hauptstadt des Nachbarlandes Rumänien, wo er eine eigene Korbflechterei eröffnet. Die Wirtschaft boomt und Korbwaren aller Art sind gefragt. Bald wird Andreas königlicher Hoflieferant und bekommt von König Carol I. den Auftrag zur Ausstattung von Zimmern im Schloss Peleș in Sinaia. In dieser Zeit ändert er auch die Schreibweise seines Namens in Kravatzky.
Nach zehn Jahren in Bukarest kehrt die Familie nach Kronstadt zurück, wo Andreas die Korbflechterei seines Schwiegervaters Andreas Müllner übernimmt.

Korbflechter Andreas Kravatzky (rechts) mit seinem Sohn Alexander (hinten Mitte)
und Lehrlingen in seiner Werkstatt, Kronstadt (RO), 1926
Alexander Kravatzky vor seinem Geschäft
in der Hirschergasse, Kronstadt (RO), 1931

Alexander Franz Kravatzky (1907-1982)
Der jüngste Sohn Alexander tritt in die Fußstapfen seines Vaters Andreas. Er absolviert bei ihm die Lehre zum Korbflechter und führt nach dessen Tod 1931 den Betrieb weiter. Im Laufe der Jahre baut er das Geschäft aus, stellt Mitarbeiter ein und begleitet die Ausbildung von Lehrlingen. Einer davon ist Gerhard Mix, der aus einer deutschen Familie aus Bessarabien (heute Ukraine) stammt.

Alexander Kravatzky (hinten Mitte) in seiner Werkstatt;
ganz rechts der Lehrjunge Gerhard Mix, Kronstadt (RO), 1936


Die politischen Wirren des Zweiten Weltkrieges haben sowohl für Alexander als auch Gerhard lebenslange Folgen. Nach der Rückkehr von Zwangsarbeiten in Russland und später am Donau-Schwarz Meer-Kanal findet Alexander Kravatzky seine Familie enteignet vor. Er erkämpft sich die Rückgabe der Werkstatt in Kronstadt und kann sich trotz der nachlassenden Nachfrage an Korbwaren mit Sonderanfertigungen über Wasser halten.

Auch die Weitergabe seines Handwerks innerhalb der Familie scheint gesichert. Sein ältester Sohn Dieter-Jochen beginnt eine Lehre zum Korbflechter. Als jedoch eine neue Gesetzgebung der kommunistischen Machthaber 1956 es privaten Handwerkern verbietet, Lehrlinge zu beschäftigen, ist der Junge gezwungen, den Betrieb des Vaters zu verlassen. In den 1970er und 1980er Jahren wandern Alexanders Kinder nach Deutschland aus. Er selbst zieht es vor, ein Leben lang in Siebenbürgen zu bleiben.

Gerhard Mix (1920-2017)
Im Laufe des Zweiten Weltkrieges gelangt auch der Lehrjunge Gerhard Mix nach Deutschland. Er bringt seine in Kronstadt erlernten Kenntnisse des Korbflechtens mit und eröffnet 1946 in Freiberg am Neckar ein eigenes Geschäft.
Drei seiner Kinder lernen ebenfalls das Flechthandwerk. Seine Tochter Alice geht bei dem Vater in die Lehre. Seine Söhne Uwe und Günter machen eine Ausbildung an der Staatlichen Berufsfachschule für Korbflechterei in Lichtenfels (DE).

Gerhard Mix (rechts) verkauft seine Körbe
auf dem Markt in Kirchheim am Neckar (DE), 1960
Gerhard Mix in seiner Werkstatt
in Freiberg am Neckar (DE), ca. 1995

Alice Dicks, geb. Mix, führt die Korbflechterei ihres Vaters
in Freiberg am Neckar (DE) von 2011 bis 2018
Günter Mix als Fachlehrer an der Staatlichen Berufsfachschule
für Flechtwerkgestaltung, Lichtenfels (DE), 2022

Günter Mix (1956)
Alice Dicks, geb. Mix (1965)

Die Korbflechterei von Gerhard Mix besteht 72 Jahre lang. Das Geschäft wird die letzten sieben Jahre von seiner Tochter Alice geführt, die es 2018, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, schließt.
Der Lebensschwerpunkt von Gerhard Mix war sein Handwerk. Er war bis kurz vor seinem Tod mit 97 Jahren noch jeden Tag in der Werkstatt zu finden.

Günter Mix, der die Inspiration für das Korbflechten in der Werkstatt seines Vaters fand, gibt sein handwerkliches Wissen als Fachlehrer weiter. Bis zu seiner Pension 2022 lehrt er an der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels, der einzigen Schule dieser Art in Deutschland. Es könnte also durchaus sein, dass Teile des handwerklichen Wissens aus Kronstadt mehr als 150 Jahre später Schülern in Deutschland vermittelt wurden, die es wiederum in die weite Welt tragen.

Baugeflecht von Schülern der Staatlichen Berufsfachschule
für Flechtwerkgestaltung
, Lichtenfels (DE), 2020


Für eine Ausbildung zum Flechtwerkgestalter interessieren sich vorwiegend Frauen. Viele Absolventen üben den Beruf in Teilzeit aus und arbeiten alleine. Sie stellen Einzelstücke her, geben Workshops und entwickeln ungewöhnliche Sonderanfertigungen.

Der Aufbau einer Korbflechterwerkstatt nebst Geschäft rentiert sich nicht mehr. In den letzten Jahrzehnten sind Peddigrohr und Rattan als Flechtmaterialien in Mode gekommen und da diese vorwiegend in Indonesien und China wachsen, war der Siegeszug der asiatischen Korbmacher nicht aufzuhalten. Dazu kommt, dass auch Handwerker in Ost-Europa ihre Waren preiswerter anbieten als deutsche Hersteller.

Sarg aus heimischer Weide
von Rachel Evans (UK), 2021


Auch innerhalb der Roma-Gemeinschaft in Ost-Europa hat die Bedeutung der Korbflechterei als Kunstgewerbe im Laufe des letzten Jahrhunderts kontinuierlich abgenommen. Sie bekamen folgenschwere Konkurrenz von Fabriken, wo Korbwaren in Serie, maschinell und nach externen Entwürfen reproduziert wurden.

Nur in wenigen Dörfern in den Ostkarpaten der Ukraine haben Roma-Familien die alte Tradition des Korbflechtens erhalten können, beispielsweise in Iza bei Khust, einem Dorf, das seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum der Korbflechterei bekannt ist.
Mit der Zeit wurde das Handwerk zum Haupterwerb aller Einwohner. Heute sehen die Straßen von Iza wie ein Freilichtmuseum aus. Die meisten Einheimischen stellen ihre Waren entlang der Straße und an ihren Zäunen aus und verkaufen sie vor allem an Touristen.

Handgemachte Korbwaren
in Iza (UA), 2022


In Rumänien gibt es nur noch wenige professionelle Korbflechtereien. Toderașcu Artizan in Sat Heci, bei Iași, ist der einzige professionelle Betrieb im Nordosten des Landes, der hochwertige Weidengeflechte herstellt. Das Handwerk wurde in der Familie Toderașcu seit drei Generationen weitergegeben.

Lilian Toderașcu erlernte das Handwerk bei seinem Vater und gründete eine Korbflechterei, in dem mittlerweile auch sein Sohn Tudor Alexandru Toderașcu arbeitet. Eine eigene Weidenplantage hilft ihnen die Qualität der Weidengeflechte zu garantieren, die sie zunehmend im Internet bewerben und verkaufen. Das riesige Angebot besteht aus Gebrauchsgegenständen wie Möbeln, Körben, Taschen, Spielzeug und ausgefallenen Accessoires.

Schwanenkorb von Toderașcu Artizan,
Sat Heci (RO), 2022


Korbflechten als Kunst

Das Korbflechten ist ein Nischenhandwerk geworden, das nur eine kleine Gruppe von Handwerkern und Künstlern ausübt. Es wird als Ergebnis eines kreativen Prozesses und als ein Kulturprodukt angesehen. Auch Objekte aus den Korbflechtereien Kravatzky und Mix sind mittlerweile Museumsstücke. Sie wurden in die Sammlung des Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim/Neckar (DE) aufgenommen und zeugen davon, dass Korbwaren einst als Gebrauchsgegenstände florierten.

Für Künstler üben traditionelle Handwerkskünste schon lange eine besondere Anziehungskraft aus. Sie stehen Symbol für eine authentische Arbeit und für die Natur. Der Bildhauer Constantin Brâncuși (Hobița, 1876-Paris, 1957) gilt dabei als großes Vorbild. Sein Stil war von der rumänischen Volkskunst beeinflusst.

Selbstporträt im Atelier
von Constantin Brâncuși, Paris (FR), 1920-1922


Brâncuși wird Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Karpaten-Dorf in Rumänien geboren, das nicht mehr als ein paar Hundert Einwohner hat. Er studiert in Craiova und Bukarest bevor er 1903 ins Ausland geht. Die traditionellen Handwerke der Dorfbewohner haben ihn da schon merklich geprägt.

Jahre später führt Brâncuși die Technik der ‘direkten Schnitzerei’ ein, indem er Stein oder Holz unmittelbar und ohne künstlerische Vorlage bearbeitet. Außerdem baut er verschiedene Möbel, Haushaltsgeräte und Werkzeuge – eine Spinnrocke, einen Ofen, Lampen und Senkbleie. Zusammen mit seiner bildhauerischen Kunst verschmelzen diese Gebrauchsgegenstände in seiner Pariser Werkstatt zu einer Einheit. Bis zu seinem Tod wird er sein Atelier gelegen an der Impasse Ronsin nr. 11 zum Gesamtkunstwerk umbauen.

Impasse Ronsin 11
Rekonstruktion des Atelier Brâncuși
von Renzo Piano Building Workshop (FR), 1992-1996


Die Zusammenführung von Handwerk und Kunst formt eine wichtige Inspiration für viele zeitgenössische Künstler. Hinzu kommt, dass in Zeiten von Klimakrise und Slow Living die Handarbeit mit natürlichen Materialien wiederauflebt. Künstler zitieren das Handwerk oder experimentieren mit handwerklichen Techniken und Werkstoffen. Dabei finden sie es wichtig, die Natur zu respektieren und nachhaltig zu produzieren, also nur soviel pflanzliches Material zu verbrauchen, als nachwachsen kann.

Brancusi’s Psychosis Goes Exotic
aus Makramee, Rattan und Holz
von Maddy Arkesteyn (BE), 2010-2012
Wild Hat
aus Weidenrinde, Kiefernwurzeln und Süßwasserbinsen
von Rachel Frost, traditionelle Hutmacherin (UK), 2022


Die rumänische Künstlerin Maia Ștefana Oprea (1987) kam über Materialerkundungen von Papier-, Plastik- und Textilstreifen zum Korbflechten. Sie hat eine Faszination entwickelt für die Wiederverwendung von Abfallprodukten – der Farbe, Textur und Haltbarkeit von Kunststoff, plastifiziertem Karton und dünnem Dosenblech.

Im Garten ihres Hauses auf dem Land bei Inotești (RO) lagert sie bis zu hundert Kilogramm Plastikabfall, den sie die letzten zehn Jahre zusammengetragen hat. Der Künstler Samir Mihail Văncică hat dafür eigens einen Lagerraum gebaut.

Nester
aus recycelten Kunststoffen
von Maia Ștefana Oprea (RO), 2017-2018

“Das Wichtigste in meinem künstlerischen Prozess ist, dass ich all die künstliche Materie, die sich in unserem Haushalt ansammelt, ‘verdauen’ kann, als ob meine Kunst eine Maschine wäre, um das Hässliche in schöne Dinge zu verwandeln.”

Maia Ștefana Oprea

In-Trigâ-Zelt
Weide, Trümmer, Plastik, Textilien
von Maia Ștefana Oprea (RO), 2018
AnnArt Galerie, Bukarest (RO)

Die Kunst von Maia Ștefana Oprea wird gespeist durch eine experimentelle Dynamik zwischen einem riesigen Permakultur-Garten, dem Recycling-Depot, ihrem Kunstatelier und dem privaten Haushalt, in dem sie ihren drei Kindern Hausunterricht erteilt – ein fortwährendes Geben und Nehmen von Inspiration und neuen Ideen für die Kunst und eine nachhaltigere Lebensweise.

Diesen Ansatz versucht Oprea auch im Gradina Ideilor (Garten der Ideen) in Nucșoara (RO) zu verwirklichen. Geplant ist ein künstlerisches Gemeinschaftsprojekt, dass Kreativen an der Schnittstelle von Kunst, Nachhaltigkeit und Permakultur eine Plattform bietet. Die Residenz inmitten eines großen Gartens im Făgăraș-Gebirge bietet Raum, im wahrsten Sinne des Wortes, um Kunstparadigmen in Hinblick auf eine nachhaltigere Zukunft zu überdenken. Idealerweise sollen hier neue Ideen und Methoden entwickelt werden, wie man ‘nachhaltig’ Kunst produzieren und vermitteln kann.

The Invisible Garden – Prima Materia
Pflanzen für Flechtarbeiten ernten
Maia Ștefana Oprea (RO), 2022


Mittlerweile experimentieren auch Korbflechter die Auftragsarbeiten durchführen mit neuen Materialien. Mariana Buruiană, eine Flechtwerkgestalterin aus Chișinău (MD) arbeitet mit Papier, das speziell verarbeitet und auf Wunsch der Kunden in den verschiedensten Farben getönt werden kann. So entstehen nicht nur neue Entwurfsmöglichkeiten, ihre Korbwaren sind zudem ressourcenschonend und umweltfreundlich.

Korb aus kolorierten Papiersträngen
Mariana Buruiană (MD), 2022


Ich habe Mariana Buruiană nach ihrer Herangehensweise gefragt. Mein Interview mit ihr können Sie hier lesen.

Das Handwerk des Korbflechtens, so habe ich während meiner Recherche festgestellt, wird zwar weniger, dabei umso erfindungsreicher ausgeübt. Es ist nicht vom Aussterben bedroht, ganz im Gegenteil. Es wird gerade von Künstlern und äußerst kreativen Handwerkern neu belebt.


Quellen: rombase.uni-graz.at; flechtausbildung.de; schriftliche Aufzeichnungen von Manfred Kravatzky; Austausch mit Günter Mix und Maia Ștefana Oprea

 


 

Folgen Sie meiner visuellen Recherche auf Instagram.

Teilen: